Lektion 1: Das türkische Alphabet und die Aussprache
Gute Nachricht zum Start: Türkisch wird fast genau so gesprochen, wie es geschrieben wird. Jeder Buchstabe steht für einen Laut, und dieser Laut ändert sich kaum. Wenn du die acht Buchstaben kennst, die anders klingen als im Deutschen, kannst du schon nach dieser Lektion jedes türkische Wort vorlesen.
Das Alphabet im Überblick
Das türkische Alphabet hat 29 Buchstaben, seit 1928 in lateinischer Schrift. Q, W und X gibt es nicht. Dafür gibt es Buchstaben, die du so nicht kennst: Ç, Ğ, Ş und das I ohne Punkt (ı). Ö und Ü klingen genau wie im Deutschen, und İ mit Punkt ist einfach das große i.
A B C Ç D E F G Ğ H I İ J K L M N O Ö P R S Ş T U Ü V Y Z
Wichtig: I und İ sind zwei verschiedene Buchstaben, auch als Großbuchstaben. Deshalb schreibt man İstanbul und İzmir mit Punkt auf dem großen İ.
Die Buchstabennamen brauchst du zum Buchstabieren: Vokale heißen wie ihr Laut (a, e, ı, i, o, ö, u, ü), Konsonanten bekommen ein -e (be, ce, çe, de, fe, ge, he, je, ke, le, me, ne, pe, re, se, şe, te, ve, ye, ze). Nur Ğ heißt „yumuşak ge“ (weiches g).
Die Buchstaben, die anders klingen
In den Aussprachehilfen in eckigen Klammern verwenden wir deutsche Schreibung. Das ı bleibt als ı stehen, weil es dafür keinen deutschen Buchstaben gibt.
| Buchstabe | Laut | deutscher Vergleich | Beispiel |
|---|---|---|---|
| c | dsch | wie in „Dschungel“ | cami (Moschee) [dscha-mi] |
| ç | tsch | wie in „Tschüss“ | çay (Tee) [tschai] |
| ş | sch | wie in „Schule“ | şeker (Zucker) [sche-ker] |
| ğ | kein eigener Laut, dehnt den Vokal davor | wie das „h“ in „Bahn“ | dağ (Berg) [daa] |
| ı | dumpfes i | wie das e in „bitte“, aber mit breit gezogenen Lippen | kız (Mädchen) [kıs] |
| j | stimmhaftes sch | wie in „Journal“, „Garage“ | plaj (Strand) [plasch, weich] |
| v | w | wie in „Wasser“, oft etwas weicher | ev (Haus) [ew] |
| y | j | wie in „ja“ | yok (gibt es nicht) [jok] |
Zum ğ noch ein Tipp: Zwischen e oder i klingt es oft wie ein ganz leichtes j oder verschwindet fast: değil (nicht) [de-il], öğretmen (Lehrer) [öö-ret-men]. Ein Wort beginnt nie mit ğ.
Weitere Feinheiten
- z ist immer stimmhaft, also summend wie das s in „Sonne“: zaman (Zeit).
- s ist immer stimmlos, wie ß in „Straße“: su (Wasser), ses (Stimme).
- h wird immer gesprochen, auch mitten im Wort: kahve (Kaffee) [kah-we].
- e klingt meist offen wie in „Bett“, nie wie das dumpfe e in „Gabe“.
- Doppelte Konsonanten sprichst du wirklich doppelt lang: elli (fünfzig) [el-li], anne (Mutter) [an-ne].
- Alle Vokale sind eher kurz. Ein Dehnungs-h wie in „Sahne“ gibt es nicht.
Die Betonung
Die meisten türkischen Wörter werden auf der letzten Silbe betont: kitap (Buch) [ki-TAP], arkadaş (Freund) [ar-ka-DASCH]. Hängst du eine Endung an, wandert die Betonung mit: kitaplar (Bücher) [ki-tap-LAR].
Es gibt aber wichtige Ausnahmen:
- viele Ortsnamen: Ankara [AN-ka-ra], İstanbul [is-TAN-bul], Türkiye [TÜR-ki-je]
- viele kurze Alltagswörter: şimdi (jetzt) [SCHIM-di], sonra (später) [SON-ra], merhaba (hallo) [MER-ha-ba]
- manche Lehnwörter: lokanta (Restaurant) [lo-KAN-ta]
Betone im Zweifel lieber leicht und gleichmäßig. Türkisch klingt weniger „hart“ betont als Deutsch.
Beispielsätze
| Çok güzel! | Sehr schön! | [tschok gü-sel] |
| Bir çay, lütfen. | Einen Tee, bitte. | [bir tschai, lüt-fen] |
| Şimdi değil. | Nicht jetzt. | [schim-di de-il] |
| Evet, doğru. | Ja, richtig. | [e-wet, doo-ru] |
| Yavaş, lütfen! | Langsam, bitte! | [ja-wasch] |
| Cep telefonum yok. | Ich habe kein Handy. | [dschep te-le-fo-num jok] |
Dialog: Buchstabieren an der Hotelrezeption
| Resepsiyonist: İyi günler. Adınız, lütfen? | Guten Tag. Ihr Name, bitte? |
| Gast: Jens Köhler. | Jens Köhler. |
| Resepsiyonist: Soyadınızı harf harf söyler misiniz? | Könnten Sie Ihren Nachnamen buchstabieren? |
| Gast: Tabii. Ke, ö, he, le, e, re. | Natürlich. K, Ö, H, L, E, R. |
| Resepsiyonist: Ö harfiyle mi? | Mit dem Buchstaben Ö? |
| Gast: Evet, ö ile. | Ja, mit Ö. |
| Resepsiyonist: Teşekkür ederim. Hoş geldiniz! | Vielen Dank. Herzlich willkommen! |
Häufige Fehler
- c wie k oder z lesen: Der Name Cem klingt [dschem], nicht „Kem“ oder „Tsem“.
- ı und i verwechseln: kır (Land, Feld) und kir (Schmutz) sind verschiedene Wörter. Der Punkt ist kein Schmuck.
- ğ als g sprechen: dağ ist [daa], nicht „dag“.
- v wie f sprechen: Deutsche lesen „Vapur“ (Fähre) gern wie „Vater“. Richtig ist [wa-pur].
Übung: Lies laut und schreib die Aussprache auf
Schreibe die Aussprache mit deutschen Buchstaben, wie in den Klammern oben.
- çiçek (Blume)
- cami (Moschee)
- şişe (Flasche)
- yağmur (Regen)
- kapı (Tür)
Lösungen
- [tschi-tschek]
- [dscha-mi]
- [schi-sche]
- [jaa-mur]
- [ka-pı] – mit dumpfem ı am Ende
Im nächsten Teil
In Lektion 2 lernst du, wie du auf Türkisch grüßt, dich verabschiedest und fragst, wie es jemandem geht.
Brauchst du eine beglaubigte Übersetzung Türkisch–Deutsch? Beeidigter Übersetzer Refik Mor